Und wo mein Haus? - Peter Kurzeck

Arno Dahmer • 3. Oktober 2022
Peter Kurzeck: Und wo mein Haus?

Vor wenigen Wochen erschien „Und wo mein Haus?“, der achte Band von Peter Kurzecks autobiografischer Romanfolge „Das alte Jahrhundert“. Zu Lebzeiten des 2013 verstorbenen Autors wurden davon fünf Bände publiziert, posthum bisher drei (diesen eingeschlossen).


„Und wo mein Haus?“ zerfällt in zwei Teile: 100 Seiten zusammenhängender Text und 60 Seiten „Notizen und Dokumente“. Das Buch ist also kein Roman im üblichen Sinne, sondern – ebenso wie die anderen Nachlass-Bände – ein Romanfragment, das in dieser Form nicht für die Veröffentlichung bestimmt war.


Insofern hat es mich überrascht, dass Teil 1 „ein austrainierter Kurzeck“ ist – die Überraschung mag indes auch damit zu tun haben, dass ich Band 6 und 7 noch nicht kenne; möglicherweise ist der Text dort ähnlich durchgearbeitet. Ja, dieser erste Teil scheint publikationsreif gewesen zu sein, auch wenn er vielleicht nicht ganz den Schliff von Meisterwerken wie „Übers Eis“ oder „Oktober“ hat und die Qualität zum Ende hin leicht abfällt: Der Text wirkt hier stellenweise etwas wirr und eine gewisse Redundanz ist zu beobachten.


Das „Und wo mein Haus?“-Manuskript gehörte ursprünglich zu dem 1000-Seiter „Vorabend“. Daher ist die Rahmenhandlung dieselbe: Der Ich-Erzähler (laut Selbstaussagen Kurzecks identisch mit ihm, dem Autor) ist mit Freundin und Tochter zu Besuch in Frankfurt-Eschersheim, bei seinem Freund Jürgen und dessen Lebensgefährtin. Obwohl er sich eigentlich ausruhen möchte, gerät er in einen regelrechten Erzählrausch. – Dieser Rahmen spielt allerdings in „Und wo mein Haus?“ keine wesentliche Rolle und ist kaum erkennbar: im Grunde nur für den, der „Vorabend“ bereits gelesen hat.


Auf der obersten Ebene der Binnenhandlung geschieht, typisch für Kurzeck, eigentlich recht wenig: Der Erzähler fährt mit dem Zug von Frankfurt nach Gießen. – Das klingt langweilig, ist es aber nicht, denn die Fahrt und insbesondere der Gießener Bahnhof lösen ein wahres Feuerwerk an Erinnerungen aus.


„Während ich schreibe, ist immer jetzt“, heißt es auf der ebenfalls erst nach dem Tod des Autors veröffentlichten Hör-CD „Für immer“. Das glaubt man ihm aufs Wort, denn eine besondere Stärke seiner Prosa ist, wie es ihr gelingt, Simultanität zu erzeugen. Fast mehr noch als in anderen Werken verschmilzt Kurzeck in „Und wo mein Haus?“ Zeiten und Räume, vor allem im ersten Abschnitt des zusammenhängenden Textes, in dem es um das schwierige, doch (aus Sicht des Kindes) abenteuerliche Nachkriegsleben geht – mit Vater, Mutter und Schwester in Staufenberg (bei Gießen), wo die Familie nach der Flucht aus Böhmen untergekommen war: „Mein Vater mischt Tabak in eine große amerikanische Tabakbüchse aus glänzendem rotem Lack. Und das viele Wild, sagt er. […] Und gleich sehe ich einen großen dämmrigen Wald, aber dann ist es doch nur ein böhmischer Wandteppich, der bei meiner Tante Resi in Kelkheim im Taunus über einem Küchensofa hängt. […] Auf dem Teppich ein Hirsch. Hat sich aufgestellt, um zu brüllen. […] Im Wald hell das Morgenlicht. […] Und immer mehr Sonne auf meinem Weg. Ich sah mich davongehen, sagte ich. […] Und wie ich im Gehen groß werde und erwachsen. Sagte ich in Eschersheim. Und muß mir immer noch nachsehen. Und dann bin ich wieder fünf Jahre alt. […] Bei uns am Küchentisch“ (S. 39/40).


Ein zweiter wichtiger Teil des Erinnerungsgeflechts ist die Arbeitswelt der Gießener Labor Service Companies (zivile Arbeitseinheiten der US-Army), wo Kurzeck selbst zehn Jahre tätig war. Der Erzähler interessiert sich vor allem für das Schicksal der dort beschäftigten „Displaced Persons“ aus Osteuropa, die unmittelbar nach dem Krieg einen relativ hohen Sozialstatus hatten, diesen aber schon bald wieder einbüßten: „Hiwis, Hilfsamis, Amipolacken, sagen die Leute. Erst mit Neid, mit Bewunderung, dann gleichgültig, dann geringschätzig“ (S. 66).


Ein paar Jahrzehnte nach dem Krieg sind einige von ihnen noch immer bei der Army, werden zwar als Arbeitskräfte nicht mehr gebraucht, aber auch nicht entlassen. Sie sind nun „überzählig“ und werden mit absurden Verrichtungen wie ständigem Fahnenmasten-Anstreichen beauftragt.


Kurzeck, der ohnehin in allen seinen Büchern auch ein Satiriker ist, erweist sich insbesondere in diesem Abschnitt von „Und wo mein Haus?“ als großer Humorist oder, richtiger: Tragikomiker. „Ein kleiner Bach. […] Erst denkt man, das ist ja die Wieseck, aber dann ist es doch nur ein Nebenflüßchen der Wieseck. Das könnt ihr auch bewachen. Könnt auf der Böschung sitzen. Da ist es still. Nicht reinkacken. Keine leeren Flaschen ins Wasser schmeißen. […] Beim Salutieren die Zigarette aus dem Mund und nicht aus der Flasche trinken. Nicht gleichzeitig! Wache stehen, aber daß es nicht so auffällt“ (S. 95).


Die „Notizen und Dokumente“ – die letzten 60 Seiten des Buches – sind naturgemäß etwas mühsam zu lesen. Andererseits ist es interessant zu sehen, wie der Autor sich zum fertigen Text hingearbeitet hat. Und man findet in diesem Teil brillante Prosastücke, die auch ganz ohne den Romanzusammenhang auskämen, etwa: „u-bahn. alle mit geputzten schuhen. Staatsbürgergesichter. in hundert od. zweihundert jahren. dann tot, sagten jürgen und sibylle. vielleicht, sagte ich“ (S. 148).


Abschließend möchte ich die (rhetorische) Frage stellen, ob ein Perfektionist wie Kurzeck, der in seinen autobiografischen Texten davon berichtet, „jede Seite zwanzigmal“ abgetippt zu haben, überhaupt mit der Veröffentlichung von Unfertigem einverstanden gewesen wäre. Doch könnten diese Frage selbstverständlich nur Menschen beantworten, die ihn persönlich kannten. Für die Leser ist die Publikation eines solchen Buches in jedem Fall ein Gewinn, speziell für die wachsende Zahl der Kurzeck-Enthusiasten.


Allerdings ist „Und wo mein Haus?“ vermutlich weniger gut geeignet als Einstieg in Kurzecks Werk. – Ich persönlich würde zum Kennenlernen „Oktober“ empfehlen. Kurzeck-Neulingen möchte ich zudem den generellen Ratschlag geben, am Anfang etwas Geduld zu haben: Obwohl seine Bücher (zumindest die Bände des „alten Jahrhunderts“) eigentlich leicht zu lesen sind, braucht es doch ein wenig Zeit, um sich an die Sprache des Autors und seinen eigentümlichen Blick auf die Welt zu gewöhnen. Dann aber kann die Lektüre seiner Romane eine sehr tiefgreifende und sogar lebensverändernde Erfahrung sein.


Quellennachweis: Peter Kurzeck, Und wo mein Haus?, Kde domov muj (Das alte Jahrhundert 8), Frankfurt am Main 2022.

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Erster Eindruck Offen gestanden hat mich der Titel dieses Romans eher abgeschreckt – obwohl er sich nach vollendeter Lektüre als durchaus stimmig erweist. Auch der Plot, den ich durch Blättern schnell erfasst hatte, nahm mich nicht unbedingt für das Werk ein: Ein Mann in mittleren Jahren führt ein perfektes Doppelleben mit Ehefrau und Geliebter, wird am Ende jedoch enttarnt – Perspektivfigur ist dabei die desillusionierte Zweitfrau. Hätte ich nun noch, schon vor dem eigentlichen Lesen, Rezensionen angeschaut, hätte ich das Buch wahrscheinlich beiseitegelegt und die vorliegende Besprechung wäre nie entstanden. Schlechte Kritiken „Luft und Liebe“ kam bei der Kritik nämlich schlecht weg. Der Autorin wurde „Groschenromanmentalität“ bescheinigt (Die Tageszeitung, zitiert nach: https://www.perlentaucher.de/buch/anne-weber/luft-und-liebe.html ) und – indirekt – mangelndes Schamgefühl vorgeworfen ( https://literaturkritik.de/id/14094 ). Auch hieß es, der Roman bleibe „in den Niederungen einer Frauenzeitschriften-Kolumne“ stecken (Frankfurter Rundschau, zitiert nach: https://www.perlentaucher.de/buch/anne-weber/luft-und-liebe.html ). Da ich den Roman bereits zu Ende gelesen hatte, als ich mich mit diesen beinahe bösartigen Rezensionen auseinandersetzte, muss ich sagen: Sie sind mir unbegreiflich und beruhen aus meiner Sicht auf der geradezu klassischen Verwechslung von bloßem Inhalt und künstlerischer Umsetzung. Große Literatur mit romanischem Anklang Denn: Ich würde mich nicht scheuen, „Luft und Liebe“ als große Literatur zu bezeichnen. Allein durch seine Sprache entrückt sich der Text den (angeblichen) „Niederungen“ von Frauenzeitschriften-Kolumnen: Sie ist treffsicher, elegant und scheint mir, nebenbei gesagt, einen romanischen Anklang zu haben – was nicht verwunderlich wäre, da Anne Weber aus dem und in das Französische übersetzt und in Frankreich lebt. Man kann meiner Meinung nach auch nicht behaupten, der Roman bediene das Schema „Böser Mann missbraucht arme Frau (seelisch)“. Das Buch zeigt vielmehr, welch unglaublicher Falschheit Menschen fähig sind – oder, milder formuliert, wie die Rollen, die einer zu spielen beschlossen hat, sich in einem Maße verselbständigen können, dass im Grunde schon von Persönlichkeitsspaltung zu sprechen ist (ich musste da an DDR-Bürger denken, die in Personalunion Stasi-Informanten und Oppositionelle waren). Die Unaufrichtigkeit der männlichen Hauptfigur geht so weit, dass er seiner bereits ein wenig älteren Geliebten einen Kinderwunsch vorgaukelt und mit ihr ein reproduktionsmedizinisches Zentrum aufsucht, dort jedoch nur angeblich in einen Plastikbecher ejakuliert – seine Aussage stellt sich später als Lüge heraus.  Mich hat „Luft und Liebe“ beeindruckt und auch erschüttert. Weder notwendig noch übermäßig originell fand ich allerdings den metafiktionalen Rahmen: Immer wieder wird Bezug auf ein verworfenes Manuskript genommen, aus dem der Roman, wenigstens einer erzählerischen Setzung zufolge, hervorgegangen ist. Anne Weber: Luft und Liebe , Frankfurt am Main 2010
Peter Kurzeck, Der vorige Sommer und der Sommer davor (Das alte Jahrhundert 7), Frankfurt/M. 2019
von Arno Dahmer 18. März 2026
„Kein Geld. Keinen Namen. Kein Einkommen. Es zu nichts gebracht haben. Früher auch schon nicht! Aber ab jetzt wieder hier alle Tage und Abende. So lang es auch dauern mag. Du hast deine Lampe an. Eine Dachwohnung. Auch bei Tag deine Lampe an. Du sitzt hier und schreibst, was du willst!“ Quellennachweis: Peter Kurzeck, Der vorige Sommer und der Sommer davor (Das alte Jahrhundert 7) , Frankfurt am Main 2019
Thomas Mann:
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Zum ausgehenden Thomas-Mann-Jahr (2025) der Versuch, eine persönliche "Hitliste" zu erstellen ... 1) Tristan 2) Der kleine Herr Friedemann 3) Wälsungenblut 4) Schwere Stunde 5) Der Zauberberg 6) Buddenbrooks 7) Tonio Kröger 8) Enttäuschung eher nicht: Doktor Faustus und Felix Krull auch eher nicht: Der Tod in Venedig Vielleicht lese ich irgendwann noch die Tagebücher. Bisher bin ich davor zurückgescheut.
von Arno Dahmer 15. Dezember 2025
Der Autor Alban Nikolai Herbst ist ein vielseitiger Schriftsteller. Ein wichtiger und beeindruckender Teil seines Werks ist der Blog „Die Dschungel. Anderswelt“ , den er bereits seit 2004 betreibt, seit einer Zeit also, in der das Internet noch bei weitem nicht die Rolle im Alltag der Mehrheit spielte wie heute. Figurenreigen In diesem Jahr hat die Bloggerlegende einen neuen Roman vorgelegt, die „Briefe nach Triest“. Keimzelle des Textes ist die Kurzzeitliebesbeziehung zwischen dem Musiker Lars und einer – nach ihrem Wohnsitz Triest – nur „Die Triestina“ genannten Frau. Diese Liaison scheint für beide Seiten von großer Bedeutung gewesen zu sein, wurde jedoch von der „Triestina“ beendet, die nun auch keinen Kontakt mehr wünscht. Lars, der diesen Wunsch einerseits respektiert, andererseits den Drang hat, ihm zuwiderzuhandeln, beauftragt einen Freund, der Ex-Geliebten Briefe – eigentlich: E-Mails – zu schreiben, gibt ihm aber nur spärliche Informationen zum dem, was sich zwischen den beiden Liebenden abgespielt hat. Aus diesen unbeantworteten und wahrscheinlich ungelesenen Botschaften an die Triestina besteht der Roman. Der Briefe verfassende Freund ist so gezeichnet, dass der Leser zumindest dazu eingeladen wird, ihn mit Alban Nikolai Herbst gleichzusetzen (etwa gibt es einen Hinweis auf das zunächst verbotene Buch „Meere“). Was „Herbst“ – könnte man daher sagen – nun tut, ist, die Beziehung von Lars und der Triestina nachzudichten, indem er in den Mails ein zweites Paar erfindet und dessen Geschichte erzählt: die des Bankers Brec und der „Lyderin“. Dabei bleibt es indes nicht. In einer Art Kettenreaktion entstehen immer weitere Paare, die eine immer geringere Ähnlichkeit mit dem ursprünglichen haben. Spätestens als der Briefschreiber selbst zum Teil der Handlung wird – der fiktiven sowie der innerhalb des Textes als real gesetzten – und zudem am Rand des Geschehens auch außerhalb des Romans reale Persönlichkeiten wie die Schriftstellerin Ricarda Junge auftauchen, ist ein Figurenreigen in Gang gesetzt, der sich als „irr-witzig“ bezeichnen ließe: nämlich als „irre“ und witzig. Metafiktion „Die Briefe nach Triest“ sind Metafiktion par excellence. Wir schauen dem Autor unentwegt über die Schulter, beobachten die Spielzüge, die er mit seinen Figuren ausführt. Das hat den Nachteil, dass man das Personal des Buches in ebendieser Weise wahrnimmt: als Spielfiguren, deren Geschick einen nicht sonderlich berührt. Das metafiktionale Verfahren hat andererseits den Vorteil, dass der Text leichter auf einer essayistischen Schiene gleitet – und darum ging es Herbst vermutlich vor allem. Im Grunde sind die „Briefe“ mehr großangelegter Essay als Roman im herkömmlichen Sinne; die Figuren dienen in erster Linie dazu, das Thema zu exemplifizieren. Was der Autor zu ergründen sucht, ist – scheint mir – das Phänomen der flüchtigen Liebesaffäre, die flüchtig aber nur ist hinsichtlich ihrer Dauer im äußeren Leben, nachhaltig jedoch in ihrer Wirkung auf die innere Existenz: Lars ist durch sein „Triestina-Erlebnis“ ganz und gar aus dem Gleichgewicht geraten und findet es auch nicht mehr. Eine herausfordernde Lektüre Selbst für den geübten Leser sind die „Briefe“ eine Herausforderung. Nicht allein aufgrund des Mindmap-artig vielfach verästelten Aufbaus – ich war dankbar für das Personenverzeichnis am Ende des Buches –, sondern auch wegen der äußerst komplexen Sprache, die in ihrer Rhythmik zugleich einen starken Reiz ausübt. Überhaupt waren es insbesondere die sprachlichen Details, die mich bei diesem Roman „dranbleiben“ ließen. Man spürt, mit welcher Hingabe Herbst am einzelnen Satz gefeilt haben muss. Dass er dabei von Musik inspiriert gewesen sein könnte, darauf deuten die zahlreichen Bezüge zu klassischen Kompositionen hin. Originell ist in diesem Zusammenhang die Verwendung eines senkrechten Strichs als zusätzliches Satzzeichen, das an den Taktstrich in der Notenschrift erinnert und dem wohl in etwa der Pausenwert eines Semikolons zukommt. Resümee Abschließend möchte ich sagen, dass „Die Dschungel. Anderswelt“ ein Titel auch für die „Briefe“ sein könnte: Herbst hat einen faszinierenden literarischen Dschungel geschaffen, in dem aber nur überlebt, wer über wohltrainierte Lesemuskeln verfügt. Gleichzeitig ist das Buch insofern eine „Anderswelt“, als es sich deutlich von den meisten Werken der deutschen Gegenwartsprosa unterscheidet. Ich empfehle es all denjenigen, die Lust auf eine konzeptionell und stilistisch völlig andere Lektüre haben. Alban Nikolai Herbst: Briefe nach Triest , Wuppertal 2025
Hinweisschild am Richard-Wagner-Fels (Fränkische Schweiz)
von Arno Dahmer 8. Dezember 2025
Und hier noch ein Nachschlag zu meinem letzten Recherchebericht … Das Video entstand am 19. 10. 2025, ein paar Schritte vom Richard-Wagner-Fels entfernt, wo sich berühmte Kletterrouten wie „Fight Gravity“ und „Magnet“ befinden …
Fingerloch-Kletterei in der Fränkischen Schweiz
von Arno Dahmer 7. November 2025
2024 war bei mir das „große Jahr der Recherchen“ für mein aktuelles Romanprojekt . Warum es damit langsamer vorangeht als gedacht und geplant, darüber werde ich bei Gelegenheit berichten. Ich war im vergangenen Jahr fünfmal im Großraum Nürnberg, einmal in Nürnberg selbst und viermal in der Fränkischen Schweiz, die nicht etwa in der Schweiz liegt, sondern eben in Nordbayern – Pardon: Franken. In meinem Newsletter bzw. in diesem Beitrag (siehe Link) hatte ich schon ein wenig davon erzählt, aber habe nun schon seit Monaten das Gefühl, noch einen etwas ausführlicheren Bericht schuldig zu sein: hier ist er. Überhänge und Fingerlöcher Charakteristisch für das Klettern im Frankenjura sind extreme Überhänge und die Fortbewegung an sogenannten Fingerlöchern (für ein, zwei oder drei Finger).
Schild am Ortseingang von Bad Münster am Stein(Website Arno Dahmer)
von Arno Dahmer 10. Oktober 2025
Immer einmal wieder zieht es mich nach „ Bad Münster am Stein “ (bei Bad Kreuznach). Zuletzt war ich hier vor genau fünf Jahren, auf der Talsohle der Corona-Zeit: Anfangs konnte man Cafés und dergleichen noch mit Maske betreten, nach einigen Tagen dann schon nicht mehr – alles musste schließen. Sogar mein Aufenthalt in einer Ferienwohnung stand in Frage, aber da er, wie ich zu Protokoll gab, dienstlicher Natur war – ich schrieb ja hier, unterrichtete auch ein wenig online – durfte ich bleiben. Die Situationen, damals und heute, ähneln sich übrigens: nicht zum Verwechseln, aber doch ... wenn man von Corona absieht. 2020 lag ich in den letzten Zügen meines „Mythos“ und bei meinem aktuellen Roman scheint mir das Finale momentan zumindest nicht mehr unerreichbar fern – weiter will ich mich da nicht aus dem Fenster lehnen (das kann schiefgehen, siehe: https://www.arno-dahmer.de/2024 ). In Bad Münster vibriert nicht geradezu „das Leben“, doch genau das, eine unglaubliche Ruhe, macht das Städtchen für mich als Autor so attraktiv. Ich habe das Gefühl, dass mein Gehirn in dieser Stille immer gleich auf einem anderen (höheren) Niveau arbeitet. Und grandios entspannend ist es – zugegeben: das klingt skurril –, als Abschluss eines Schreibtags spätabends oder nachts durch den dunklen, schweigenden Ort zu joggen (eine Stirnlampe ist dabei hilfreich).
Stefan George: Das neue Reich
von Arno Dahmer 20. Juli 2025
Die Lyrik Stefan Georges (1868-1933) kennen nur noch wenige – und meist sind es Menschen, die selbst Gedichte schreiben. Mag sein, dass die exzentrische Persönlichkeit des Autors nach wie vor den Blick auf das Werk verstellt; sofern man von George überhaupt schon einmal gehört hat. Das Unbehagen an George ist nicht verwunderlich, denn wenigstens aus heutiger Sicht erscheint sein Wirken im sogenannten George-Kreis wie das eines Sektenführers. Ich empfehle aber unbedingt, seine Texte zu lesen! Viele davon zählen meiner Meinung nach zum Außergewöhnlichsten und Interessantesten, was in deutscher Sprache geschrieben wurde.  In diesem Video (siehe unten) trage ich eines der, wie ich finde, faszinierendsten Gedichte Stefan Georges vor, nämlich „Horch was die dumpfe erde spricht“ .